Der Vortrag einer Rede

Kleine Tipps für den gekonnten Vortrag einer spannenden Rede

Ein festlicher Anlass ist gekommen, die Freude ist groß und man hat in nächtelanger Arbeit im Schweiße seines Angesichtes ein goldenes Meisterstück der Redekunst verfasst, dass nur noch darauf wartet, im entsprechenden festlichen Rahmen vorgetragen zu werden. Und dann rutscht plötzlich das Herz in die Hose. Daran hat man ja gar nicht gedacht! Ein Vortrag! Alle Augen werden auf mich gerichtet sein. Oh. Mein. Gott...

Reden vortragen ist nicht so schwer, wie die meisten denken, aber auch nicht so leicht, wie es in Film und Fernsehen manchmal wirkt. Es gibt Menschen, die haben ein angeborenes Talent zum Reden und auch keinerlei merkliche Ängste. Doch das sind nur sehr wenige. Die allermeisten Menschen müssen erst lernen, vor einem - vielleicht sogar kritischen - Publikum aufzutreten und eine Rede zu halten.

Aber wie lernt man so etwas?

Die einfachste Antwort ist: Indem man es tut! Aber so einfach ist es für die meisten Menschen nicht. Der Vortrag einer Rede ist schließlich meistens mit einem Fest oder einem wichtigen Anlass verbunden und tausend Gedanken schießen einem durch den Kopf. "Was werden die Zuhörer denken? Hoffentlich vergesse ich nichts! Was ist, wenn ich mich verspreche?". Bei Schauspielern nennt man das ganze Lampenfieber!

Um das Lampenfieber in Grenzen zu halten und trotzdem aufzustehen und eine Rede zu halten helfen verschiedene kleine Maßnahmen, die teils schon in die Vorbereitung der Rede mit einfließen können.

Schreiben Sie die Rede so, dass Sie sie nicht ablesen müssen! Ein Redner, der immer nur nach unten auf sein Manuskript schaut, wirkt schwach und ist schlecht zu verstehen. Beschränken Sie die Papiere oder Kärtchen, die Sie bei Ihrer Rede vielleicht benutzen wollen, auf das allernötigste und möglichst auf wenige Stichworte, die Ihnen helfen, sich an den ursprünglich geplanten Text zu erinnern. Benutzen Sie für die Stichworte eine große Schrift, die Sie mit einem kurzen Blick gut erfassen können.  Textpassagen, wie Gedichte oder Anekdoten können Sie dann auch in normaler Schrift aufzeichnen und ablesen. Aber nicht zu viel!

Schauen Sie Ihr Publikum an! Eine gute Rede betrifft den Zuhörer im wahrsten Sinne des Wortes. Er fühlt sich direkt angesprochen und "geht mit". Ein Mittel, dieses gute Gefühl im Zuhörer zu erzeugen ist, ihn anzuschauen. Kurz, aber persönlich. Ein kleiner Trick: Wenn Sie Hemmungen haben, Menschen direkt in die Augen zu sehen, dann schauen Sie auf die Augenbrauen. Auf die meist etwas größere Entfernung bei einer Redesituation fällt das kaum auf. Mit der Zeit werden Sie aber feststellen, dass ein freundlicher Blick auch freundlich beantwortet wird.

Beziehen SIe Ihr Publikum in die Rede ein! Zusammen mit dem Anschauen können Sie Ihr Publikum auch in die Rede mit einbeziehen. Kleine Hinweisgesten und gezielte Blicke helfen sehr.  Wenn Sie über das Geburtstagskind, das Jubelpaar oder den lieben Vereinskameraden sprechen, dann wenden SIe sich der Person, oder dem Paar, über das sie gerade sprechen, kurz zu und schauen sie an. Bei besonders wichtigen Abschnitten der Rede können Sie auch eine einladende Geste machen, um das Publikum auch dadurch auf die wichtigen Personen aufmerksam zu machen. Die Blicke der Zuhörer werden ihren eigenen Blicken und Gesten folgen und durch solche kleinen Kniffe und Gesten wirkt die Rede nicht nur lebendiger und die Zuhörer fühlen sich besser eingebunden, sondern die Aufmerksamkeit wandert auch von Ihnen fort, was bei der Kontrolle des Lampenfiebers hilft!

Teilen Sie Ihre Rede so ein, dass SIE damit zurechtkommen! Damit ist im wesentlichen gemeint, dass SIe sich nicht übernehmen sollten, was den Umfang und die "Tiefe" einer Rede betrifft. Das neudeutsche Wort dafür lautet "authentisch" sein und meint, dass die Rede zu Ihnen passen muss, für jeden ersichtlich von Ihnen kommt und nicht einfach irgendwo kopiert wurde. Teilen Sie Ihre Rede in Abschnitte ein, die Sie überblicken können. Am Anfang immer nur ein kleines Thema, ein kleiner Abschnitt auf einmal. Mit zunehmender Übung und abnehmendem Lampenfieber können Sie diese Abschnitte spielerisch ausdehnen und interessante, tiefsinnige oder humorvolle Übergänge einbauen. Bei Ihren ersten Reden fangen Sie besser klein an: Erzählen Sie nicht Tanta Marthas ganzes Leben, sondern nur eine kleine, dafür aber typische Anektdote, bei der jeder sofort sagt: "Ja, so ist sie unsere liebe Tante Martha."

Behalten Sie die Zeit für die einzelnen Abschnitte im Auge und unter Kontrolle! Sie kennen das sicher aus manchen Filmen und Büchern: Alle Figuren und der Hintergrund werden kunstvoll aufgebaut und mit Schnörkeln ausgeschmückt und dann... in der letzten halben Stunde oder auf den letzten paar Seiten wird die eigentliche Handlung viel zu kurz und oberflächlich durchgehechelt. Man fühlt sich unbefriedigt und fragt sich, warum eine solch gute Geschichte so amateurhaft zu Ende gebracht wurde. Bei Reden ist es genauso. Gerade ungeübte Redner neigen dazu, sich am Anfang der Rede in Details zu verlieren und dann, wenn es ihnen plötzlich auffällt oder das Publikum unruhig wird, den eigentlichen Anlass der Rede in 3 Sätzen zusammenzufassen. Das hinterlässt bei den Zuhörern den gleichen Eindrug, wie die oben beschriebenen Filme und Bücher. So lange Sie noch keine Übung haben, machen Sie sich besser einen Plan, wie lang jeder einzelne Teil der Rede sein soll und sorgen Sie dafür, dass sie während Ihrer Rede unauffällig die Zeit überprüfen können. Wenn Sie an einem Pult stehen, können Sie eine Uhr oder ein Handy dort platzieren, ansonsten müssen Sie sehen, welche Möglichkeiten sie haben. Ein auffälliger oder zu häufiger Blick zu einer Uhr, den die Zuhörer bemerken, hinterlässt allerdings den Eindruck, dass Sie nur schnell eine lästige Pflicht abarbeiten wollen. Das sollten Sie um jeden Preis vermeiden.

So wenig Pathos wie möglich, aber so viel wie nötig! Pathos, im modernen Sinn, also hochtrabende, theatralische Redewendungen, womöglich aus klassischen Theaterstücken und dann noch übertrieben vorgetragen, ist fast immer zu vermeiden.  In einigen wenigen Fällen oder als ironisches Element kann es aber sinnvoll sein. Pathos im ursprünglichen Sinn der klassischen Rhetorik, also Überzeugungskraft durch Apell an Emotion und Gefühl des Publikums gehört in Maßen in jede gute Rede. Ob es bei einer Trauerrede die gemeinsame Erinnerung an den Verstorbenen oder die Verstorbene ist, oder bei einem freudigen Anlass die Einstimmung der Zuhörer auf das ausgelassene Fest - Gefühl gehört dazu. Wenn Sie zum Beispiel bei einer Geburtstagsrede Ihr Publikum - mit Absicht! - zu einem freundlichen Lachen bringen, haben SIe schon gewonnen. Wenn Sie aus Versehen einmal unfreiwillig komisch waren, tun Sie einfach so, als wäre es gewollt...

Die vorhergehenden Punkte lesen sich alle viel komplizierter, als sie eigentlich sind. Machen Sie sich wegen einer Rede nicht verrückt und schon gar nicht wegen der kleinen Tricks und Kniffe. Sie können sie als Leitfaden benutzen, aber eine gute Rede muss vor allem von Ihnen und aus Ihnen kommen. Der Rest hilft, ist aber am Ende weitaus weniger wichtig, als ein ehrlicher und offener Vortrag, der dem Anlass angemessen ist.

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