Allgemeines zu Reden und Ansprachen

Unter einer Rede versteht man einen sprachlichen Vortrag vor Publikum zu einem bestimmten Zweck.

Auch eine Festrede hat, genau wie eine Rede vor dem Parlament oder vor Gericht einen ganz bestimmten Zweck - und nur eine Rede, die ihren Zweck erfüllt, wird den Gästen oder dem Gefeierten in guter Erinnerung bleiben. Reden und Ansprachen bei einer Feier sorgen für ein Gemeinschaftsgefühl in der Festgesellschaft, sie bekräftigen den Zweck und den Sinn des Festes und lenken die Stimmung des Anlasses in die gewünschte Richtung. Darüber hinaus erfüllen sie noch, teilweise etwas in Vergessenheit geratene, Sitten und Gebräuche, indem z.B. der Brautvater mit seiner Rede vor der Festgesellschaft öffentlich seine Tochter aus seiner Obhut in die des frischgebackenen Ehemannes entläßt.

Der Aufbau einer Rede

In der Antike unterschied man folgende Teile einer Rede:

  1. Die Einleitung (exordium) dient der Einstimmung des Publikums auf den Redner und den Anlaß.

    Beispiel: Sehr verehrte Gäste, liebe Feunde und Familie. Wir haben uns heute hier versammelt, um den Bund der Ehe zwischen meinem Sohn (...) und seiner Ehefrau (...) zu feiern.

  2. Die Erzählung oder Darlegung des Sachverhaltes (narratio) macht dem Publikum das Thema der Rede bekannt.

    Beispiel: Eine Hochzeit, der Bund fürs Leben, ist für ein Paar der schönste Tag des Lebens. Man verbindet sich in Liebe und Treue, gründet eine Familie und leistet sich den Schwur, in guten wie in Schlechten Zeiten zusammenzustehen.

  3. Die Argumentation (divisio und confirmatio) legt die möglichen Argumente für und wider das Thema der Rede dar und bestätigt die Richtigkeit der eigenen.

    Beispiel: Ich möchte hier das Dichterwort zitieren: "Denk daran, dass eine gute Ehe von zwei Dingen abhängt: erstens den richtigen Menschen zu finden und zweitens der richtige Mensch zu sein." und das ist hier, bei unserem Paar so deutlich sichtbar, wie selten, daß sich zwei richtige Menschen mit den Herzen am rechten Fleck gefunden haben. Liebe Gäste, jeder, der die Braut kennt, von heute an meine Schwiegertochter, ihre Art mit Kindern umzugehen, gute Laune zu verbreiten und jedem ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern, kann wohl nicht anders, als sich von Herzen über das neue Glück zu freuen, daß in dieser Hochzeit seinen Anfang genommen hat.

  4. Der Abschluss (conclusio) beendet die Rede mit einer kurzen Zusammenfassung, der Bekräftigung der Wichtigkeit des Themas und der eigenen Argumente und/oder einem Appell an das Publikum.

    Beispiel: Und so möchte ich zum Ende meiner Rede kommen. Es gäbe noch so viel zu sagen und zu wünschen, aber wichtiger als das gesprochene Wort ist die ehrliche Freude, die wir für das junge Paar empfinden und die besten Wünsche, die wir Ihnen heute und für ihre ganze Zukunft mitgeben möchten. Laßt uns das Glas erheben und auf diese Wünsche gemeinsam trinken. Auf das Brautpaar!

Wichtige Punkte, die eine gute von einer schlechten Rede unterscheiden

  • Die Rede sollte kurz und treffend sein. Die Gäste sind nicht auf lange Ansprachen eingestellt, sondern es soll gefeiert werden! Fünf Minuten reichen bei guter Planung völlig aus um alles Wichtige zu sagen.
  • Die Rede sollte das Besondere und Positive des Anlasses herausstellen. Warnungen, negative Erinnerungen oder Besserwisserei sind fehl am Platz. Es ist nicht nötig, das Brautpaar während der Feier auf die Scheidungsrate oder die Schwierigkeiten der Kindererziehung in der Pubertät hinzuweisen oder dem Geburtstagskind den Nutzen und die Notwendigkeit einer Sterbeversicherung darzulegen.
  • Die Rede sollte persönlich sein. Eine vollkommen vorgefertigte Rede, in die nur die Namen eingesetzt werden müssen eignet sich nicht und zwar aus folgenden Gründen: Sie ist zum einen zu unpersönlich, da der Verfasser keine Ahnung von der Festgesellschaft haben kann und sich daher so allgemein wie möglich ausdrücken muß, was immer etwas seltsam wirkt und sie paßt zum anderen nicht zum Redner. Jeder hat seinen persönlichen Sprachschatz und seinen Stil. Wenn ein Redner plötzlich vollkommen anders formuliert, als sonst, fällt das sofort auf und wirkt peinlich.
  • Die Rede sollte aus kurzen und prägnanten Sätzen bestehen. Verschachtelte Sätze sind beim Lesen noch akzeptabel, aber bei einer Rede schwer zu verstehen, besonders wenn auch noch Kinder im Saal sind oder andere Nebengeräusche wie Geschirrklappern, Gläserklirren oder ähnliches das Verständnis erschweren. Wenn man die Rede fertig geschrieben hat, sollte man jeden Satz noch einmal durchgehen und alle Formulierungen streichen, die entweder nichts zum Thema der Rede beitragen, oder für die Stimmung wichtig sind.
  • Der Vortrag sollte laut genug, deutlich genug und langsam genug sein. Hier gilt das gleiche, wie beim vorherigen Punkt. Es ist wichtig, daß die Gäste - und zwar alle Gäste - die Rede verstehen können. Wenn man die Möglichkeit hat, seine eigene Stimme aufzunehmen, sollte man das auch beim üben tun. Wenn man sich selbst sprechen hört, ist man oft überrascht, wie schnell und manchmal auch undeutlich man spricht.
  • Das Publikum sollte persönlich und mit Blickkontakt angesprochen werden. Es gibt kaum etwas schlimmeres, als wenn über einen selbst in der dritten Person gesprochen wird, als sei man gar nicht da. Wenn man eine Anekdote in die Rede einbauen will, an der Anwesende beteiligt waren, sollte man sie anschauen, mit Namen ansprechen und in die Rede mit einbeziehen. Beispiel: "Wir alle (Blick über die ganze Gesellschaft schweifen lassen, eventuell auch mit einer Geste noch unterstreichen) erinnern uns noch gern an die Geschichte, wo Du, liebe Erika (Erika direkt anschauen) unserem Geburtstagskind Günther (Blick auf Günther) diesen unvergeßlichen Tag bereitet hast, nicht wahr Günther?" So erntet man Nicken, Lachen und Zustimmung. Wenn man stattdessen auf sein Blatt starrt und sagt: "Wir alle erinnern uns noch gern daran, wie Erika Günther einen unvergeßlichen Tag bereitet hat." erntet man bestenfalls Unverständnis, eher aber gelangweiltes Schweigen.

Wenn man sich beim Aufbau der Rede und bei der Überprüfung ihrer Qualität an den obenstehenden Punkten orientiert, hat man schon eine gute Grundlage. Auf den Seiten zu den einzelnen Festen werden noch Tips zur konkreten Redegestaltung gegeben, die dem jeweiligen Anlaß angemessen sind.

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